Rundwanderung zu den prähistorischen Grabhügeln bei Büchenbach (Pegnitz)

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Es gibt doch eine gewissene Anzahl von Fundplätzen aus der Vorgeschichte in der Pegnitzer Gegend. Der Hohlstein bei Elbersberg ist ein solcher, die Zwerglochhöhle bei Hollenberg, das Wurmloch bei Bernheck und die Grabhügel bei Bronn, Hüll und am Kühkopf im Veldensteiner Forst.  Darüberhinaus wurden die Gräber in der Gegend von Kaltenthal und Nemschenreuth im Zuge der Sammeltätigkeit des Museums für Vorgeschichte in Berlin geleert.

Dazu kommt noch Büchenbach. Tagtäglich fahren Zehntausende mitten hindurch, doch kaum jemand weiß, dass sich hoch über Büchenbach links und rechts der Autobahn prähistorische Gräberfelder befinden, die vermutlich in der Hallstattzeit und in der Früh-La-Tene-Zeit  angelegt wurden mit über 100 Bestattungsplätzen. Die gefundene Ausbeute ging in die Museen nach Berlin und München, aber auch  Bayreuth, Forchheim und das historische Museum in Frankfurt haben davon profitiert. Schade für die Pegnitzer Gegend!

 
Bis ins 19. Jahrhundert wurden die Gräber kaum beachtet, sie galten als lästige Hindernisse bei der Feldarbeit. Doch dann erwachte urplötzlich ein starkes Interesse der Raritätensammler, die entweder für sich selbst oder gegen Bezahlung auch für andere Gegenstände aus den Anlagen entnahmen. Sie hatten es besonders auf Bronzebeigaben abgesehen, aber auch Keramik war sehr begehrt. Als auch noch Museen solche Gegenstände kauften, setzte ein regelrechter Gräbersturm ein. So habe etwa Johann Braun aus Büchenbach Grabbeigaben auf Bestellung geliefert, Ausgrabungen wurden mit Hilfe von Wünschelruten zum Sport. 1880 habe er ein Bronzeschwert für 75 Mark an das Museum für Frühgeschichte in Berlin verkauft.

Nach dem Pegnitzer Chronisten Heinrich Bauer entnahm man den 100 Büchenbacher Gräbern im Februar 1877: Urnen aus Ton, Eisenmesser, Pfeilspitzen, Nadeln, ein Gerippe mit Je 10 verzierten Armreifen an jedem Armknochen und 4 Reifen am Schädel, die die Gestalt einer Natter hatten. Weiter 14 unterschiedlich verzierte Urnen, die auf einer Brandschicht lagen.

Der Autobahnbau 1935 tat ein Übriges. Das größte Gräberfeld lag im Flurgebiet Pegnitzanger, dieses wurde nun direkt von der Fernstraße durchquert. Dem Ausbau fielen 34 der einstmals 90 Grabhügel zum Opfer, nachdem sie vorher unter Leitung des Werkmeisters Eugen Wünsch vom Landesamt für Denkmalpflege eingehend untersucht worden waren.  Mit Ausnahme des Hügels 85 waren alle Grabstätten gestört, das heißt, sie waren alle schon mindestens einmal durchsucht worden. Dabei wurden offensichtlich alle Metallgegenstände entnommen, fanden sich doch in den Gräbern nur noch Keramik-Beigaben. Diese wurden größtenteils -es wurde eine Schicht von 4 bis 14 m abgetragen – als Schutt weggeworfen.
Die meisten Grabhügel von bis zu zehn Metern im Durchmesser waren nach dem gleichen Prinzip errichtet worden. Den äußeren Rand bildete ein Kranz von Kalksteinen. Ein bis zwei Meter weiter innen begann die zentrale Steinsetzung, die zum Mittelpunkt hin immer stärker wurde und bis zu zehn Schichten hoch war. Im Zentrum der Gräber befand sich oft eine Brandschicht mit einem Durchmesser von bis zu 2,50 Metern. Die Hügel waren mit rötlichem Humus aufgefüllt.

Im September 1938 wurde beim Autobahnbau ein schon gestörter, hallstattzeitlicher Grabhügel abgetragen. In ihm fanden sich neben Kohlenresten und Tonscherben auch ein in zwei Teile zerbrochenes, eisernes, 81 Zentimeter langes Griffzungenschwert, eine Bronzenadel und einige Knochenteile. Das Schwert kam in die Prähistorische Staatssammlung nach München.
Trotzdem dass fast nichts mehr auf die Funde hinweißt, lohnt sich ein Ausflug an diese Stelle. Denn hier fand man  auch Bernstein, Bernstein von der Ostsee. Dieser Fund erzählt eine Geschichte von frühen Handelsbeziehungen. Pegnitz liegt nicht nur am Erzweg, sondern vielleicht auch an einer der vielen Bernsteinstrassen.

Wanderung:
Pegnitz – Kleiner Kulm – Keltengräber – Büchenbach – Pegnitz

Vom Bürgerzentrum der Markierung roter Strich
folgend in Richtung Kleiner Kulm, vorbei am Einlauf der
Pegnitzquelle in die Fichtenohe. Dort ist der Umtaufpunkt von
Fichtenohe in Pegnitz. Nun die B2 überqueren, links befindet sich
die Zaußenmühle um 1450 erbaut, im 30-jährigen Krieg zerstört, 1710
neu errichtet, dahinter die Pegnitzquelle, eine Karstquelle mit
Quelltopf. Der Markierung folgend geht es zu den beiden Brauereien
und weiter leicht ansteigend zum Buchauer Berg. Rechts abbiegen.
Auf Waldwegen gelangt man zum Finkenbrünnlein, der letzten am
Quellhang Buchauer Berg noch aktiven Hangquelle.

Immer leicht ansteigend auf dem Heckenweg entlang. Er verläuft auf einem
Jahrhunderte alten „Lesewall“. Durch die mittelalterliche 3- Felderwirtschaft (Sommergetreide,
Wintergetreide, Brache) wurden die Bodenerträge durch die steigende
Bevölkerung zu knapp. Die Feldsteine wurden daher zur
Bodengewinnung ausgelesen und am Ackerrand abgelegt. Auf diesen
Brachen siedelten sich Hecken an und ergaben einen Windschutz für
die Felder. Am Ende des Heckenweges etwa 100 m halblinks befindet
sich noch eine gut erhaltene Lesesteintrockenmauer. Nun geht es auf
Flurwegen zur Autobahn. Diese überqueren und nach rechts ansteigend
zum Aussichtsturm des Kleinen Kulm. Mit 626 m eine der höchsten
Erhebungen der Fränkischen Schweiz, wunderbarer Blick in
Frankenwald, Fichtelgebirge, Steinwald, Hersbrucker Jura bis zum
„Muggendorfer Gebürg“.

Vom Aussichtsturm 20 m zurück, wieder der
Markierung roter Strich folgend links abbiegen und nach Norden
absteigen. Im Blickfeld der Autobahn erreichen wir die
Keltengräber
. Der größte Teil der Gräber wurde durch den Bau der
Autobahn zerstört. Die vor- handenen 37
Grabstätten
sind in dem kleinen Kiefernwald am
besten geschützt. Der Weg führt nun etwa 600 m an der Autobahn
entlang bis zu einem Autobahn-Fußgänger-Durchgang Richtung
Büchenbach. Der Markierung gelber Punkt folgend, wandert man bis
nach Pegnitz zurück. Wenig später wird die Steinmarterkapelle
„Maria Hilf“ erreicht. Sie befindet sich unter einer alter Linde
mit einem Marienbild nach Amberger Art.

Weiter absteigend geht es
nach Büchenbach. Der Dorfstraße nach rechts folgend führt der Weg
nach Kaltenthal. An der Linkskurve geht es gerade aus, auf Feldweg
an der rechten Talseite entlang nach Lehm und weiter nach Buchau.
Hier am Ende des kleinen Dorfplatzes in einer links/rechts
Wegschleife aufsteigen zum Modellflugplatz. Weiter durch eine
Senke, immer den Schloßberg im Blick bis in der Raumersgasse der
Stadtrand erreicht wird. Nun gerade abwärts, die B2 überquerend,
geht es wieder zum Bürgerzentrum zurück.

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